Wiedereinstieg nach Elternkarenz

Wie einfach ist das wirklich?

Ich habe vieles erreicht, auf das ich sehr stolz bin. Über 10 Jahre erfolgreich im Job, großartige Wohnung, schönes Auto, … um nur ein paar Dinge zu nennen. Aber mein Leben stand irgendwie still. „Ist das nun alles?“, fragte ich mich. Und genau dann ist es passiert. Ich erfuhr, dass ich ein Kind erwarte. Neben einem kleinen Schockmoment war meine Freude riesengroß.

Was nun?

Ab diesem Moment ging die Planung für den nächsten Lebensabschnitt los. Ziehe ich zu meinem Partner, der in einem anderen Bundesland wohnt und gebe ich alles auf, was ich mir über Jahre aufgebaut habe? Werde ich dann jemals wieder zurück in meinen Job finden? Was ist gut für unsere kleine Familie? Das waren die zentralsten Fragen.
Da mein Lebensgefährte nun der Hauptverdiener ist, war für uns klar, dass ich zu ihm ziehen werde und wir mal schauen, was die Zeit bringt. So nach dem Motto „Nix ist fix“. Als das klar war, konnte ich mich nun darauf konzentrieren die letzten Monate in der Arbeit noch locker rüber zu bringen, eine lückenlose Übergabe zu ermöglichen und mich in meine wohlverdiente Babypause zu verabschieden.


Aktuell ist es so, dass ich mich in meiner Rolle als Mutter gut zurechtgefunden habe und wirklich stolz auf unser Kind bin. Obwohl sich mein Leben im Moment auf Hausfrauentätigkeiten und Kindererziehung beschränkt. Außerdem bin ich momentan in Bildungskarenz und nutze diese Möglichkeit um den Diplomierten Betriebswirt zu absolvieren. Für mich ist diese Weiterbildung wichtig, um meine Berufschancen zu erhöhen. Denn momentan sieht es nicht danach aus, dass ich zu meinem alten Arbeitgeber zurückkommen kann. Unter anderem aufgrund folgender Gründe:

  • kein Anspruch auf Teilzeit, da ich in Bildungskarenz bin
  • langer Anreiseweg zur Arbeit
  • kein Homeoffice möglich, etc.

Im Kurs „Leadership & Management Kompetenzen“ lernt man, dass Unternehmen stets Kontakt zu den Wiedereinsteigern halten, Schulungsmaßnahmen anbieten, Arbeitszeiten mit geringem Stundenkontingent anbieten, sowie Teilnahmen an Abteilungsinformationen ermöglichen sollten. Das fördert die Mitarbeiterbindung. In meinem Fall ist das leider nicht so. Ich bin der Meinung, dass es vielen Wiedereinsteigern so geht. Oder nicht?
Wenn ich mich nicht bei meinem Arbeitgeber regelmäßig melde und mein Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit kundtue, würde ich leider nichts hören. Wer möchte schon zu einer Firma zurück, in der man das Gefühl vermittelt bekommt, gar nicht mehr gebraucht zu werden. Hier ist der Karriereknick schon vorprogrammiert und es bleibt nur mehr der Weg einer beruflichen Neuorientierung.

Merkmale für eine familienfreundliches Unternehmen

Folgende Punkte sollten bei der Wahl des neuen Arbeitgebers genau unter die Lupe genommen werden:

  • Wie sieht es mit flexiblen Arbeitszeiten (z.B.: Gleitzeit) aus?
  • Gibt es verschiedene Zeitmodelle (Teilzeit oder Viertagewoche)?
  • Besteht die Möglichkeit einen Teil der Arbeit von zu Hause aus zu arbeiten?
  • Gibt es vor Ort eine Kinderbetreuung oder Zuschüsse?
  • Wie sieht es mit anderen Benefits aus (z.B.: Kantine, Fitnessangebote, Weiterbildungen, Carsharing bis hin zum Dienstwagen)?

Für mich steht nun einer Neuorientierung nichts mehr im Wege und ich hoffe damit auch andere, denen es genauso geht, zu motivieren. Wie heißt es so schön? Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue!

am 20.12.2019 von Claudia Lengger erstellt