Mit 3 Tricks gelingt nachhaltige Organisationsentwicklung

Wien, November 2020, 2. COVID Lockdown. Ich spreche mit meinem Arbeitskollegen Stefan wie gewohnt via Skype aus dem Home-Office. In wenigen Tagen werde ich eine Strategieklausur online moderieren. Stefan und ich gehen die Details zu seinem geplanten Beitrag durch. Sein Beitrag soll uns ein technisches Konzept vermitteln und wird uns noch Monate begleiten. Ich frage Stefan, wer das Dokument bis jetzt noch gelesen hat. Er wirkt müde und entmutigt als er mir die Sätze sagt, die mich nicht mehr loslassen.

„Patrick, weißt Du, ich möchte die Dokumente gar nicht mit anderen teilen. Ich habe Sorge, dass dann wieder viele gute Ideen kommen. Ideen, welche wir nicht umsetzen können. Letztendlich sind dann wieder alle Beitragenden enttäuscht“, erklärt mir Stefan.

Was Stefan da sagt, schockiert mich. Es macht mich traurig ihn so desillusioniert zu sehen und zu verstehen, dass gute Ideen verpuffen.
Mir kommt vor, diese Haltung ist weitverbreitet. Unfassbar wertvolle Ideen und vielleicht sogar Innovationen bleiben auf der Strecke, weil sie nicht gehört, erkannt und kultiviert werden.
Ich habe 3 Tricks zusammengestellt, die auch Dir helfen werden diese Stolpersteine zu umgehen:
 

Trick Nr. 1 – „Den Problem-Ball weit raustreten!“

 
Wenn wir Lösungen für ein komplexes Problem suchen, sind wir gut beraten, dies nicht alleine zu tun. Problem-Lösungs-Systeme müssen in ihrer Struktur komplexer sein, als die Struktur des Problem- Systems.

Wie aber erreichen wir eine komplexere Struktur in unserem Problem-Lösungs-System?

 
Wir können zum Beispiel die Anzahl an Knotenpunkten im Netzwerk erhöhen. Sprich, mehr Teilnehmer in die Lösungsfindung einbinden.
Um noch wirksamer zu sein, sollten diese Teilnehmer möglichst unterschiedliche Stärken und Erfahrungen haben. Das erhöht die Diversität und reduziert blinde Flecken, die dem Konstruktivismus geschuldet sind.

Aus Sicht der Organisationsentwicklung ist es zielführend, dass unter den Teilnehmern, auf jeden Fall auch die Personen mitarbeiten, die später für die Umsetzung benötigt werden.
Vereinfacht gesagt, der Trick ist, den Problem-Ball auf ein weites Feld zu treten. Ein Feld, auf dem möglichst viele Persönlichkeiten stehen, mit möglichst unterschiedlichen Stärken und Erfahrungen.
 

Trick Nr. 2 – „Einen Schnelltest für gute Ideen entwickeln!“

 

Mein Kollege Stefan hat mir die Angst geschildert, dass gute Ideen nicht umgesetzt werden. Ein Mangel an Budget, Zeit und zu viel andere Arbeit nennt er als Gründe dafür. Er fürchtet, dass es zu Enttäuschungen in seinem Umfeld kommt.
Ideen sterben, wenn sie nicht umgesetzt werden, und das darf vor allem mit den GUTEN IDEEN auf keinen Fall passieren.
Eine gute Idee hat das Potential einen relevanten Beitrag zur Erreichung des Systemziels zu stiften oder Schaden am System abzuwenden. Aus meiner Sicht ist daher die entscheidende und gesuchte Kompetenz die, eine gute Idee zu erkennen.
Haben wir eine wirklich gute Idee gefunden, dann muss es Zeit, Geld und Raum geben diese zu realisieren. Zur Selektion von guten Ideen braucht es ein einfaches Bewertungssystem. Dies kann uns speziell in der Lösungsfindungsphase der Organisationsentwicklung helfen.

Der Trick ist also, im Rahmen der Designphase in der Organisationsentwicklung, einen Schnelltest für gute Ideen vorzusehen.
Zum Beispiel bietet sich eine Checkliste an, welche erfolgsrelevante Faktoren abfragt. Diese Faktoren können mit geschlossenen JA/NEIN-Fragen, abgefragt werden. Die Summe der „JA“ Antworten, ergeben einen Relevanz-Score.
Entscheidend ist es, die aufbereitenden Ideen in einer Entscheidungsgruppe präsentiert werden. Die Fragen sollen so formuliert werden, dass die Weiterverfolgung der Ideen als dringend und wichtig erachtet werden. Nach dem Motto: „Wenn wir dieses Samenkorn nicht jetzt säen haben wir nichts zu ernten.“

Trick Nr. 3 – „Die Veränderung wie junge Pflänzchen kultivieren!“

 
Haben wir gute Ideen identifiziert und entschieden sie umzusetzen, hilft uns der folgende Trick:

  • Die Haltung eines achtsamen und geduldigen Gärtners einnehmen.

Ja, unsere Ideen und Veränderungen sind zu Beginn wie kleine, zarte Pflänzchen und…

  • …diese brauchen Schutz vor Fressfeinden, die sie einfach zunichtemachen können,
  • …sie brauchen eine sonnige Perspektive der sie zielstrebig entgegenwachsen können,
  • …sie brauchen ausreichen Wasser oder anders gesagt „Liquidität“,
  • …zudem brauchen sie Raum und Zeit zum Wachsen
  • …und sie brauchen jemanden der das Unkraut regelmäßig erkennt und entfernt.

Wir können die Triebe ablenken, doch haben keinen direkten Einfluss auf das Wachstum der Pflanze/Idee.

Mit 3 Tricks gelingt nachhaltige Organisationsentwicklung – Fazit

 
Um Nachhaltigkeit am Weg der Organisationsentwicklung zu erreichen, brauchen wir den Mut diese 3 beschriebenen Tricks anzuwenden.
Wir brauchen den Mut das Problem mit möglichst vielen zu teilen, um nachhaltige Lösungen zu bekommen.
Außerdem die Kompetenz gute Ideen zu erkennen und die Beharrlichkeit dafür einzustehen. Es braucht die Haltung eines geduldigen Gärtners beim Gestalten von Veränderungen.

am 21.12.2020 von Patrick Koblischek erstellt