Einfluss von Recruiting auf die Leistung von Teams und Unternehmenserfolg

Aus eigenen Erfahrungen aus Teams bzw. Unternehmen mit sehr hoher Fluktuation interessieren mich die Hintergründe, wie diese Personalschwankungen zu Stande kommt. Sicherlich gibt es hierfür immer mehrere Gründe. Einer davon, so meine Meinung, ist falsches Recruiting. Die Möglichkeit bereits im Recruiting auf die Fluktuation und die zukünftige Leistung des Teams positiv Einfluss zu nehmen, sollte mehr Gewicht bekommen.

Zwei Fallbeispiele

 
Bei meinem Arbeitgeber hatten wir ein hervorragend performendes Team, in dem die Personen teilweise ähnlich tickten, jedoch auch alle irgendwie anders waren. Jeder im Team hatte seinen Aufgabenbereich, wodurch das Team als Ganzes funktionierte. Das schlug sich auch in der Zufriedenheit und der Leistung nieder, bzw. in der Stabilität des Teams. Jeder hat sich zugehörig, aber auch verantwortlich für die anderen Personen und die Teamziele gefühlt. Aufgrund äußerer Gegebenheiten, hat sich die Teamkonstellation auch mal geändert. Wodurch sich die gesamte Dynamik veränderte und sich letztlich bei Mehreren auch das Zugehörigkeitsgefühl änderte und alles ins Wanken brachte.
In einem anderen Fall bestand ein Team aus lauter Individualisten, in dem keine Zugehörigkeit und demnach auch keine Verantwortung für das Gesamtergebnis bestand. Lange ging das nicht gut.

Eine Bestandsaufnahme

 
In einer agilen Arbeitswelt reicht es nicht aus, einen fähigen Chef zu haben, der die Mitarbeiter anleitet. Im qualifizierten Bereich ist jeder Mitarbeiter ein Manager, der für das Gelingen seiner Projekte zuständig ist: Er muss Initiativen antreiben, Entscheidungen eigenverantwortlich und im Einklang mit Unternehmensziel und -philosophie treffen, kurz: Er muss wie ein Intrapreneur agieren. Mit diesem Verantwortungsgewinn wächst der Einfluss jedes einzelnen Mitarbeiters auf den Unternehmenserfolg. Es war noch nie so wichtig wie heute, die richtigen Mitarbeiter zu rekrutieren und zu halten – dabei zählen nicht nur die fachlichen Kompetenzen und Fähigkeiten, sondern auch die Einstellung und der Wille, sich ins Team einzubringen.
Speziell in der Teambildung geht es um mehr als nur die Frage, wer mit wem zusammenarbeiten soll. Die einzelnen Teammitglieder sind voneinander abhängig und müssen sich aufeinander verlassen können. Nur so kann ein Team gesetzte Ziele erreichen.

In einer Online-Befragung von StepStone im November 2018 unter insgesamt rund 14.000 Fach- und Führungskräften in Deutschland zeigten die Ergebnisse, dass Teammitglieder aus Sicht der befragten Fachkräfte für eine fruchtbare Zusammenarbeit vor allem drei soziale Eigenschaften mitbringen sollten: Kommunikationsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Kritikfähigkeit.
Bei den methodischen Kenntnissen führen Organisationsfähigkeit, Zeitmanagement und Sorgfalt die Spitze an. Mitarbeiter mit den entsprechenden sozialen und methodischen Kenntnissen haben besonders gute Chancen, sich erfolgreich in ein Team einzubringen.

Folgen von Fehlentscheidungen

 
Dass sich Fehlentscheidungen im Recruiting negativ auf das Unternehmen auswirken, bestätigen auch 92 von 100 befragten österreichischen HR Manager in einer Arbeitsmarktstudie der Robert Half Austria GmbH aus 2015.
46% sehen einen negativen Einfluss auf die Produktivität des Unternehmens, 34% nenne Unruhe im Team und negativen Einfluss auf die Arbeitsmoral als Folge und 12% sehen monetäre Kosten als negative Auswirkung auf das Unternehmen durch Fehlentscheidungen im Recruiting.
Bei der Integration eines Mitarbeiters in ein bestehendes Team ist es wichtig, dass Führungskräfte auf das „Personal Team Fit“ der einzelnen Mitglieder achten – heißt: Personalverantwortliche sollten den Kandidaten beziehungsweise Mitarbeiter mit der Kultur des Teams vergleichen, in welchem er künftig Teil werden soll. In jeder Abteilung, die aus mehreren Mitarbeitern besteht, gibt es verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen.
Das Personal Team Fit gibt Aufschluss darüber:

  • welche Rolle eine Person im Team übernimmt
  • wie gut diese in eine bestehende Gruppe, mit unterschiedlichen Eigenschaften, passt
  • und inwiefern die Person, fehlende Kompetenzen in einem Team ergänzt.

Warum also nicht das Team in das Recruiting miteinbeziehen? Team Recruiting als Chance für stabile und leistungsfähige Teams.

 
Agiles Team Recruiting kann dabei helfen, die Anforderungen der immer dynamischeren Arbeitswelt zu erfüllen. Damit lässt sich das Reaktionstempo bei vielversprechenden Bewerbungen steigern und das Commitment des Teams von Anfang an sichern, so in einem Blog der HAUFE Gruppe vom 26.12.2019. Agile Teams definieren sich über Team-Ziele und deren Erfolge. Sie organisieren sich selbst und entscheiden flexibel, wer welche Aufgaben übernimmt. Ein agiler Recruitingprozess soll eine optimale Besetzung im Projektteam ermöglichen und so die Fluktuation sowie weitere, durch Fehlbesetzung entstandene, Probleme verringern. Denn gerade der Cultural Fit ist entscheidend für die erfolgreiche Integration neuer Mitglieder in Teams. Dabei besitzt jeder im Recruitingteam eine gleichwertige Stimme. Gründe und Argumente für oder gegen einen Bewerber werden erst nach einer Abstimmung diskutiert. So soll sichergestellt werden, dass jeder seine eigene Meinung und Sichtweise vertritt und keine Gruppendynamik entsteht. Nach dem Austausch der Argumente findet eine erneute, finale Abstimmung statt. Der Bewerber erhält nur dann einen Arbeitsvertrag, wenn alle für «Ja» gestimmt haben. Eine Gegenstimme im Recruitingteam führt zu einem weiteren Gespräch mit dem Bewerber, um etwaige Fragen klären und einen zweiten Eindruck gewinnen zu können.
Die bisherige Erfahrung mit diesem Recruitingprozess zeigt allerdings: Bewerbern, die bereits in der initialen Abstimmung mindestens zwei Gegenstimmen erhalten haben, wurden auch nach dem erneuten Austausch selten eingestellt.

am 13.03.2020 von Anonym erstellt